Die häufigste Sorge vor dem ersten Ausflug mit dem Elektroauto betrifft die Berge. Sie ist unbegründet, und zwar in einem Ausmaß, das sich nachrechnen lässt. Ein Anstieg von 350 Höhenmetern kostet ein Fahrzeug von zwei Tonnen rund zwei Kilowattstunden, von denen bergab ein erheblicher Teil zurückkommt. Der Ausflug ins Tannheimer Tal scheitert also nicht an der Steigung. Interessanter ist die Frage, wo unterwegs geladen wird und ob das überhaupt nötig ist.

Was die Höhenmeter wirklich kosten

Die Physik dahinter ist einfach. Um eine Tonne Masse 100 Meter anzuheben, braucht es rund 0,27 Kilowattstunden. Ein Elektroauto mit zwei Tonnen Leergewicht plus Zuladung liegt damit bei etwa 0,55 Kilowattstunden je 100 Höhenmeter, mit den Verlusten im Antriebsstrang bei gut 0,6. Roll- und Luftwiderstand kommen streckenabhängig obendrauf.

Bergab holt die Rekuperation einen Teil zurück. ADAC-Messungen kommen je nach Fahrzeug auf grob ein Drittel bis die Hälfte der bergauf eingesetzten Energie. Schwerere Fahrzeuge gewinnen dabei absolut mehr zurück, verbrauchen bergauf aber auch mehr. Unterm Strich bleibt für eine Tour mit 350 Höhenmetern Anstieg und der gleichen Abfahrt ein Mehrverbrauch im Bereich von einer Kilowattstunde. Das ist weniger, als die meisten Fahrerinnen und Fahrer vermuten.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Die reine Höhendifferenz zwischen Start und Ziel unterschätzt den Anstieg regelmäßig, weil im Allgäu meist ein Pass dazwischen liegt. Wer über das Oberjoch ins Tannheimer Tal fährt, überwindet deutlich mehr Höhenmeter, als die Ortshöhen nahelegen.

Zur Einordnung eine Vergleichsrechnung mit ausdrücklich angenommenen Werten. Angenommen werden 18 Kilowattstunden Verbrauch je 100 Kilometer auf der Landstraße und 25 Kilowattstunden bei 130 km/h auf der Autobahn. Dann kostet eine einzige zügig gefahrene Autobahnstunde rund neun Kilowattstunden mehr als dieselbe Strecke gemächlich, während die 350 Höhenmeter ins Tannheimer Tal nach Abzug der Rekuperation bei etwa einer Kilowattstunde liegen. Nicht die Berge machen im Allgäu den Verbrauch, sondern das Tempo auf der A7 und der A96.

Hitze kostet Reichweite, aber weniger als der Winter

Die Klimaanlage zieht nach ADAC-Messungen bei etwa 35 Grad rund 1,3 bis 1,5 Kilowatt. Im Stand entspricht das ungefähr zwei Prozent Batteriekapazität pro Stunde. Im Stau vor dem Fernpass oder auf der B19 Richtung Oberstdorf ist das der große Vorteil gegenüber dem Verbrenner, der im Leerlauf kühlt. Für die Reichweitenplanung im Sommer reicht ein moderater Puffer, die kritische Jahreszeit für Elektroautos ist der Winter.

Vier Ziele ab Durach und Sonthofen

Kempten liegt auf 674 Metern, Sonthofen auf 741. Von dort aus sind das die vier Klassiker für einen Tagesausflug:

Ziel Ortshöhe Höhendifferenz Charakter der Strecke
Forggensee bei Füssen 808 m rund 130 m ab Kempten flach über das Ostallgäu, kaum Steigung, im Sommer viel Verkehr rund um Füssen
Oberstdorf 813 m rund 140 m ab Kempten Illertal aufwärts, gleichmäßige Steigung, gut planbar
Lindau am Bodensee 401 m rund 270 m bergab überwiegend Gefälle, auf der Rückfahrt kommt die Höhe zurück
Tannheimer Tal 1097 m rund 360 m ab Sonthofen über das Oberjoch, der Pass macht den tatsächlichen Anstieg deutlich größer

Alle vier Ziele liegen so, dass ein voll geladenes Fahrzeug die Hin- und Rückfahrt ohne Ladestopp schafft. Geladen wird am Ziel, nicht unterwegs.

Wo Sie im Allgäu laden

Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur verzeichnete zum 1. Juli 2026 bundesweit 155.264 Normalladepunkte und 54.341 Schnellladepunkte, zusammen 9,04 Gigawatt Anschlussleistung. Bayern liegt bei rund 40.000 öffentlichen Ladepunkten und führt bei der kumulierten Schnellladeleistung.

Für die konkrete Planung ist die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur der verlässlichste Einstieg, weil sie Betreiber, Leistung und Standort zusammen ausweist. Zwei Einschränkungen sollten Sie kennen. Das Register erfasst nur gemeldete Ladeeinrichtungen, die tatsächliche Zahl liegt darüber. Und es sagt nichts darüber aus, ob ein Ladepunkt gerade frei ist. Für den Belegungsstatus brauchen Sie zusätzlich die App Ihres Ladeanbieters.

Praktisch heißt das im Allgäu: An den Tourismuszielen selbst finden Sie meist Wechselstromladepunkte an Parkplätzen und bei Bergbahnen, echte Schnelllader konzentrieren sich entlang der A7, der A96 und an größeren Handelsstandorten. Für einen Tagesausflug ist der langsame Ladepunkt am Parkplatz oft die bessere Wahl, weil das Auto ohnehin mehrere Stunden steht.

Was der Strom unterwegs kostet

Der ACE nennt für öffentliches Wechselstromladen übliche Preise von 40 bis 60 Cent je Kilowattstunde, für Schnellladen 50 bis 80 Cent, jeweils Marktstand Juni 2026. Zu Hause an der eigenen Steckdose oder Wandladestation liegen die Kosten in aller Regel deutlich darunter.

Eine Beispielrechnung, mit ausdrücklich angenommenen Werten: Angenommen werden 120 Kilometer für Hin- und Rückfahrt nach Oberstdorf, ein Verbrauch von 18 Kilowattstunden je 100 Kilometer und 60 Cent je Kilowattstunde am öffentlichen Schnelllader. Das ergibt rund 21,6 Kilowattstunden und etwa 13 Euro für den kompletten Ausflugstag. Wer zu Hause lädt, zahlt spürbar weniger. Ihre tatsächlichen Werte hängen von Fahrzeug, Fahrweise, Beladung und Tarif ab.

Rechnen Sie mit der Standzeit, nicht mit der Ladeleistung

Am Ausflugstag ist der langsame Ladepunkt fast immer der bessere. Der Grund liegt in der Standzeit. Ein serienmäßiges Bordladegerät mit 11 Kilowatt bringt in vier Stunden rund 44 Kilowattstunden in die Batterie. Das ist bei den meisten Modellen mehr als die halbe Kapazität und deckt eine Allgäu-Tour mehrfach ab. Wer vier Stunden am Forggensee verbringt oder mit der Bergbahn nach oben fährt, braucht in dieser Zeit keinen Schnelllader.

Umgekehrt gilt: Ein Schnellladestopp lohnt sich nur, wenn Sie ohnehin eine Pause machen und die Batterie im unteren Bereich steht. Zwischen 10 und 80 Prozent laden alle drei hier genannten Modelle mit voller Leistung, darüber fällt die Ladekurve deutlich ab. Die letzten 20 Prozent kosten oft so viel Zeit wie die ersten 70. Für den Ausflug heißt das schlicht: bei 80 Prozent abstecken und weiterfahren.

Ein zweiter Punkt betrifft die Bezahlung. An Ladepunkten in touristischen Lagen kommen häufiger regionale Betreiber vor als die großen Netze entlang der Autobahnen. Prüfen Sie deshalb vor der Abfahrt, ob Ihre Ladekarte dort akzeptiert wird. Seit den europäischen Vorgaben zum spontanen Laden ist die Bezahlung per Karte an Schnellladern zwar verbreitet, an älteren Wechselstromsäulen aber nicht überall.

Für den ersten Ausflug mit dem Elektroauto

Wenn Sie gerade erst umgestiegen sind, sind drei Gewohnheiten wichtiger als jede Reichweitentabelle.

Erstens die Vorkonditionierung. IONIQ 5 und EV6 können die Batterie auf dem Weg zum Schnelllader auf Temperatur bringen, was die Ladeleistung spürbar verbessert. Das funktioniert nur, wenn der Ladestopp im Navigationssystem des Fahrzeugs gesetzt ist, nicht in einer App auf dem Handy.

Zweitens die Rekuperationsstufen. Im Allgäu haben Sie auf jeder Rückfahrt lange Gefällestrecken. Wer die stärkste Stufe wählt oder das Einpedalfahren nutzt, bremst kaum noch mechanisch und holt dabei Energie zurück. Ein Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Die Bremsanlage bleibt weitgehend unbelastet.

Drittens der Ladestand vor der Abfahrt. Starten Sie eine Bergtour nicht mit voller Batterie, wenn direkt danach eine lange Abfahrt kommt. Eine volle Batterie kann keine Energie mehr aufnehmen, die Rekuperation ist dann eingeschränkt und Sie bremsen wieder mechanisch. Rund 80 Prozent sind für Passfahrten der praktischere Startwert.

Drei Elektromodelle aus dem Brosch-Programm im Ausflugsprofil

Modell Batterie Reichweite WLTP max. DC 10 bis 80 Prozent
Hyundai IONIQ 5 63 oder 84 kWh 440 bis 570 km bis 260 kW rund 18 Minuten
Kia EV6 84 kWh bis 582 km bis 258 kW rund 18 Minuten
Mazda 6e 68,8 kWh (LFP) 479 km bis 165 kW rund 24 Minuten
Mazda 6e Long Range 80 kWh (NCM) 552 km bis 90 kW rund 47 Minuten

Der Vergleich zeigt etwas, das in Reichweitentabellen gern untergeht. IONIQ 5 und EV6 arbeiten mit 800-Volt-Technik und laden entsprechend schnell wieder voll. Beim Mazda 6e ist es umgekehrt zur Intuition: Die kleinere Batterie mit 68,8 Kilowattstunden lädt mit bis zu 165 Kilowatt deutlich flotter als die Long-Range-Version, die trotz mehr Reichweite bei 90 Kilowatt bleibt und für denselben Ladehub knapp 50 Minuten braucht. Für Tagesausflüge im Allgäu spielt das kaum eine Rolle, weil die Strecken kurz sind. Für die Urlaubsfahrt nach Italien schon.

Fünf Punkte für die Ladeplanung am Ausflugstag

  • Zu Hause volladen, das ist die günstigste Kilowattstunde des Tages
  • Ladepunkte am Ziel vorab auf der Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur nachschlagen und einen zweiten in Reserve notieren
  • Bei Wechselstrom am Parkplatz reicht die Standzeit meist aus, ein Schnelllader ist selten nötig
  • Ladekarte oder App vor der Abfahrt prüfen, nicht erst an der Säule
  • Auf Passstrecken den Ladestand nicht unter 20 Prozent fallen lassen, weil die Rekuperation bergab bei voller Batterie eingeschränkt ist

Wer sein Elektroauto bei Brosch gekauft hat, bekommt die Ladeplanung im Übergabegespräch erklärt, für die Elektro- und Hybridmodelle der vier Hausmarken erfolgt der Service an den Standorten Durach und Sonthofen.

Häufige Fragen zum E-Auto im Allgäu

Kostet die Bergfahrt viel Reichweite?

Weniger als erwartet. Rund 0,27 Kilowattstunden je Tonne und 100 Höhenmeter, bei einem Zwei-Tonnen-Fahrzeug also gut 0,6 Kilowattstunden je 100 Höhenmeter. Bergab kommt nach ADAC-Messungen grob ein Drittel bis die Hälfte davon zurück.

Reicht die Reichweite für einen Tagesausflug ohne Ladestopp?

Für alle vier hier genannten Ziele ja. Hin- und Rückfahrt liegen jeweils deutlich unter 150 Kilometern, das schafft jedes aktuelle Elektroauto mit voller Batterie auch mit Puffer.

Wie stark bremst die Klimaanlage die Reichweite im Sommer?

Bei rund 35 Grad zieht sie nach ADAC-Messungen etwa 1,3 bis 1,5 Kilowatt, im Stand ungefähr zwei Prozent Batteriekapazität pro Stunde. Im Stau ist ein Elektroauto damit im Vorteil.

Wo finde ich verlässliche Informationen zu Ladepunkten?

Die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur weist Standort, Betreiber und Leistung aus. Sie zeigt allerdings nur gemeldete Ladepunkte und keinen Belegungsstatus, dafür brauchen Sie die App Ihres Anbieters.

Was kostet das Laden unterwegs?

Der ACE nennt für Marktstand Juni 2026 rund 40 bis 60 Cent je Kilowattstunde beim Wechselstromladen und 50 bis 80 Cent beim Schnellladen. Zu Hause laden ist in aller Regel deutlich günstiger.

Soll ich vor einer Passfahrt volltanken?

Besser nicht ganz. Bei voller Batterie kann das Fahrzeug die Energie aus der Bergabfahrt nicht aufnehmen, die Rekuperation ist eingeschränkt und Sie bremsen wieder mechanisch. Rund 80 Prozent Ladestand sind für Bergtouren der praktischere Ausgangswert.

Brauche ich für einen Tagesausflug einen Schnelllader?

In den meisten Fällen nicht. Ein Bordladegerät mit 11 Kilowatt lädt in vier Stunden Standzeit rund 44 Kilowattstunden nach. Das reicht für eine Allgäu-Tour mehrfach aus.

Probieren Sie es aus, statt zu rechnen: Vereinbaren Sie eine Probefahrt mit einem Elektromodell in Durach oder Sonthofen und fahren Sie eine der vier Strecken selbst. Terminanfragen unter 0831 960163-0.

Quellen

Bundesnetzagentur: Öffentliche Ladeinfrastruktur, Zahlen zum 1. Juli 2026

Bundesnetzagentur: Ladesäulenkarte

ADAC: Rekuperation beim Elektroauto

ADAC: Wie viel Reichweite kostet die Klimaanlage beim E-Auto

ACE: Ladepreise für Elektroautos in Deutschland

Hyundai Deutschland: IONIQ 5 Antriebe und Reichweiten

ADAC: Kia EV6 84 kWh im Test

Mazda Deutschland Presseportal: Elektroantriebe Mazda6e

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