Wildunfall im Herbst und wie Sie im Allgäu richtig reagieren

Wildunfall im Herbst und wie Sie im Allgäu richtig reagieren

Dämmerung, eine Landstraße am Waldrand, und plötzlich steht ein Reh im Scheinwerferlicht. Was Sie in den nächsten Sekunden tun, entscheidet oft über mehr als eine Delle im Stoßfänger. Die deutschen Kfz-Versicherer registrierten 2024 rund 276.000 Wildunfälle mit kaskoversicherten Autos. Rechnerisch kracht es damit etwa alle zwei Minuten.

Die kommenden Wochen gehören zu den gefährlichsten Zeiten des Jahres. Wer die wichtigsten Regeln jetzt einmal durchgeht, muss im Ernstfall nicht überlegen.

Warum die Gefahr ab Oktober steigt

Wildunfälle verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist das Risiko im April und Mai sowie von Oktober bis Dezember besonders hoch. Im Herbst werden die Tage kürzer, und der Berufsverkehr fällt zunehmend in die Dämmerung, also genau in die Zeit, in der viele Wildtiere unterwegs sind. Das betrifft den Heimweg am Abend ebenso wie die Fahrt zur Arbeit am frühen Morgen.

Einen zusätzlichen Sprung bringt die Zeitumstellung. Der ADAC weist darauf hin, dass sich die Hauptverkehrszeit dadurch in die Dämmerung verschiebt. 2026 endet die Sommerzeit am 25. Oktober, ab dann fahren viele Pendler im Allgäu am späten Nachmittag schon bei schwindendem Licht nach Hause. Am Abend wird es nach der Umstellung eine Stunde früher dunkel.

Die Schäden sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Laut GDV lag der durchschnittliche Schaden pro Wildunfall 2024 bei rund 4.100 Euro, nach etwa 3.850 Euro im Vorjahr. Insgesamt summierten sich die Wildunfallschäden 2024 auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Als Gründe nennt der Verband höhere Preise für Ersatzteile und gestiegene Werkstattkosten.

Wo Sie im Allgäu mit Wild rechnen müssen

Am höchsten ist das Risiko auf Landstraßen, die an Wald, Wiesen und Feldern entlangführen. Solche Strecken prägen den Alltag vieler Allgäuer, ob auf dem Weg durch den Kemptener Wald oder auf den Straßen ins Oberallgäu. Das Warnschild „Wildwechsel“ steht dort, wo Tiere regelmäßig queren, und verdient mehr als einen flüchtigen Blick. Wild hält sich allerdings nicht an Schilder.

Das wirksamste Mittel ist das Tempo. Die Versicherungskammer Bayern rechnet vor, dass der Bremsweg bei 80 statt 100 km/h um rund 25 Meter kürzer ist. Diese 25 Meter können darüber entscheiden, ob Sie vor dem Tier zum Stehen kommen. Halten Sie außerdem mehr Abstand zum Vordermann und bleiben Sie bremsbereit, wenn Sie in der Dämmerung an Waldrändern unterwegs sind.

Wenn ein Tier am Straßenrand steht

Sehen Sie ein Tier am Fahrbahnrand oder auf der Straße, gehen Sie sofort vom Gas und bremsen, soweit der nachfolgende Verkehr das zulässt. Schalten Sie das Fernlicht aus. Geblendete Tiere bleiben häufig stehen, statt zu flüchten. Mehrmaliges kurzes Hupen kann sie verscheuchen. Verlassen Sie sich aber nicht darauf, dass ein Tier am Rand stehen bleibt. Wildtiere können Geschwindigkeit und Entfernung eines Autos nicht einschätzen und springen oft unvermittelt los.

Ist das Tier weg, fahren Sie langsam weiter. Wild ist selten allein unterwegs, und ein zweites oder drittes Tier folgt oft dem ersten über die Straße.

Wenn der Zusammenstoß nicht mehr zu verhindern ist

Der erste Reflex ist Ausweichen. Genau davor warnen ADAC und Versicherer übereinstimmend. Ein hektisches Lenkmanöver endet schnell im Gegenverkehr oder an einem Baum, und diese Folgen sind in der Regel schwerer als der Aufprall auf ein Reh.

Halten Sie das Lenkrad mit beiden Händen fest, bleiben Sie in Ihrer Spur und bremsen Sie so stark wie möglich. Das fühlt sich im Moment falsch an. Für Sie und Ihre Mitfahrer ist es trotzdem die sicherere Entscheidung.

Situation Richtige Reaktion
Warnschild „Wildwechsel“, Wald- oder Feldrand, Dämmerung Tempo reduzieren, Abstand vergrößern, bremsbereit bleiben
Tier steht am Straßenrand Vom Gas gehen, Fernlicht aus, kurz hupen, kontrolliert bremsen
Tier hat die Straße überquert Langsam weiterfahren, mit weiteren Tieren rechnen
Zusammenstoß ist nicht mehr zu vermeiden Lenkrad festhalten, in der Spur bleiben, voll bremsen, nicht ausweichen

 

Nach dem Aufprall, Schritt für Schritt

Nach einem Zusammenstoß ist die Aufregung groß. Eine feste Reihenfolge hilft:

  1. Warnblinklicht einschalten, Warnweste anziehen und die Unfallstelle mit dem Warndreieck absichern.
  2. Bei Verletzten den Notruf 112 wählen und Erste Hilfe leisten.
  3. Die Polizei unter 110 verständigen, auch wenn das Tier geflüchtet ist. Die Polizei informiert den zuständigen Jäger, der ein verletztes Tier suchen kann.
  4. Ist ein verletztes Tier geflüchtet, merken Sie sich die Stelle und die Richtung, in die es gelaufen ist. Das erleichtert dem Jäger die Suche.
  5. Das Tier nicht anfassen und auf keinen Fall mitnehmen. Das Bergen ist Aufgabe von Förster oder Jagdpächter, das Mitnehmen kann als Wilderei gewertet werden.
  6. Fotos von der Unfallstelle, vom Tier und vom Fahrzeug machen.
  7. Eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen.
  8. Die Versicherung informieren, bevor das Auto repariert, verkauft oder verschrottet wird.

Damit im Ernstfall alles zur Hand ist, lohnt ein kurzer Blick ins Auto. Die Warnweste gehört in den Innenraum und nicht unter das Gepäck im Kofferraum. Eine Taschenlampe, ein geladenes Smartphone und die Telefonnummer Ihrer Versicherung sparen nach einem Unfall Zeit.

Auch ohne große Delle in die Werkstatt

Nach einem Zusammenstoß mit einem Reh sieht der Schaden von außen oft überschaubar aus. Hinter der Stoßfängerverkleidung sitzen aber Kühler, Halterungen und bei vielen neueren Autos Sensoren für Assistenzsysteme. Ein gebrochener Halter oder ein verschobener Sensor fällt auf den ersten Blick nicht auf.

Lassen Sie das Fahrzeug deshalb zeitnah in einer Werkstatt ansehen. Fahren Sie nicht weiter, wenn Warnleuchten aufleuchten, Flüssigkeit austritt, ein Scheinwerfer ausgefallen ist oder das Lenkrad bei Geradeausfahrt schief steht. Ist das Auto nicht mehr fahrbereit, fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach, welche Hilfe Ihr Vertrag für den Abtransport vorsieht.

Gute Sicht als Vorsorge

Wer ein Tier früh sieht, hat mehr Zeit zum Bremsen. In der dunklen Jahreszeit lohnt sich deshalb ein Blick auf alles, was mit Sicht zu tun hat. Verschmutzte oder falsch eingestellte Scheinwerfer leuchten die Fahrbahnränder schlechter aus, verschlissene Wischerblätter hinterlassen bei Regen Schlieren auf der Scheibe. Beides lässt sich vor dem Winter mit wenig Aufwand beheben.

Bei Brosch können Sie dafür einen Wintercheck vereinbaren. Wer ohnehin zum Räderwechsel kommt, verbindet beides in einem Termin. Werkstattbesuche zählen außerdem für die Brosch-Bonuskarte.

Was Brosch nach einem Wildunfall übernimmt

Die Werkstätten von Brosch in Durach und Sonthofen übernehmen die Unfallinstandsetzung für Hyundai, Kia, Mazda und Subaru. Im Rahmen der Bosch AutoCrew-Partnerschaft betreut Brosch auch Fahrzeuge anderer Hersteller. Ist bei dem Zusammenstoß die Frontscheibe zu Bruch gegangen, gehört der Scheibentausch ebenfalls zum Angebot. Lackierarbeiten übernehmen externe Partner, die Abwicklung läuft über Brosch.

Solange Ihr Auto in der Werkstatt steht, können Sie nach einem Werkstattersatzwagen fragen. Bringen Sie die Wildunfallbescheinigung und Ihre Fotos zum Termin mit. Einen Termin vereinbaren Sie über die Servicetermine oder telefonisch, die Adressen finden Sie unter Standorte.

Welche Versicherung zahlt

Nach Angaben des GDV kommt für Schäden am eigenen Auto durch Haarwild wie Rehe oder Wildschweine die Teil- oder Vollkaskoversicherung auf. Zum Haarwild zählen neben Reh, Hirsch und Wildschwein unter anderem Fuchs, Hase und Dachs, in den Bergen auch Gämse und Murmeltier. Vögel gehören nicht dazu, ebenso wenig Haus- und Nutztiere. Der Zusammenstoß mit einer Kuh, die von der Weide ausgebrochen ist, ist deshalb kein Wildunfall, hier gelten andere Regeln. Einige Versicherer haben ihren Schutz auf weitere Tiere ausgeweitet. Welche Tiere Ihr Vertrag abdeckt und welche Unterlagen Ihr Versicherer verlangt, steht in den Vertragsbedingungen. Fragen Sie im Zweifel direkt dort nach, bevor Sie einen Reparaturauftrag erteilen. Auch wer den Schaden am eigenen Auto gar nicht über die Versicherung abrechnen möchte, sollte den Unfall der Polizei melden, schon wegen des verletzten Tiers.

Häufige Fragen

Muss ich einen Wildunfall bei der Polizei melden?

Rufen Sie nach einem Wildunfall die Polizei unter 110 an, auch wenn das Tier geflüchtet ist. Der ADAC bezeichnet diesen Anruf aus Gründen des Tierschutzes als Pflicht. Die Polizei verständigt den zuständigen Jäger.

Soll ich einem Reh ausweichen?

Nein. Halten Sie das Lenkrad fest, bleiben Sie in der Spur und bremsen Sie so stark wie möglich. Ausweichmanöver führen leicht in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum.

Darf ich ein totes Tier mitnehmen?

Nein. Das Bergen ist Aufgabe von Förster oder Jagdpächter. Wer getötetes Wild mitnimmt, riskiert laut ADAC, dass das als Wilderei gewertet wird.

Wann ist die Gefahr eines Wildunfalls am größten?

Laut GDV im April und Mai sowie von Oktober bis Dezember. Besonders riskant ist die Dämmerung am Morgen und am Abend. Nach der Zeitumstellung Ende Oktober fällt der Heimweg vieler Pendler genau in diese Phase.

Wofür brauche ich die Wildunfallbescheinigung?

Sie dient als Nachweis gegenüber Ihrer Versicherung und erleichtert die Schadenbearbeitung. Ausstellen können sie Polizei, Förster oder Jagdpächter.

Kann Brosch mein Auto nach einem Wildunfall reparieren?

Ja. Brosch übernimmt die Unfallinstandsetzung in Durach und Sonthofen, für die vier Hausmarken und im Rahmen der Bosch AutoCrew-Partnerschaft auch für Fahrzeuge anderer Hersteller. Lackierarbeiten erledigen externe Partner.

Hatten Sie einen Wildunfall oder sind Sie unsicher, ob nach einem Zusammenstoß alles in Ordnung ist? Vereinbaren Sie einen Werkstatttermin bei Brosch online über die Servicetermine oder telefonisch in Durach unter 0831 960163-0 und in Sonthofen unter 08321 780 780.

Quellen

  1. GDV, Kfz-Versicherung: Wildunfälle haben 2024 über eine Milliarde Euro gekostet: https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/kfz-versicherung-wildunfaelle-haben-2024-ueber-eine-milliarde-euro-gekostet-192954
  2. GDV, Versicherer warnen: 276.000 Wildunfälle: https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/versicherer-warnen-276-000-wildunfaelle-risiko-steigt-im-fruehjahr-deutlich-198070
  3. GDV, Mehr als 750 Unfälle täglich: Versicherer warnen vor Wildunfällen: https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/mehr-als-750-unfaelle-taeglich-versicherer-warnen-vor-wildunfaellen-182330
  4. Die Versicherer (GDV), Was tun nach einem Wildunfall: https://www.dieversicherer.de/versicherer/auto/news/wildunfaelle-kfz-versicherung-142424
  5. Versicherungskammer Bayern, Mehr Wildunfälle im Herbst: https://www.konzern-versicherungskammer.de/presse/pressemitteilungen/2025/09262025-wildunfaelle.html
  6. HUK-COBURG, Verhalten bei Wildwechsel: https://www.huk.de/fahrzeuge/ratgeber/news/verhalten-bei-wildunfall.html
  7. HanseMerkur, Wildunfall: Was tun beim Zusammenprall mit Haarwild: https://www.hansemerkur.de/mobilitaet-reise/wildunfall
  8. ADAC Hessen-Thüringen, Presseinformation zu Wildwechsel und Zeitumstellung: https://www.presseportal.de/download/document/6537a273270000fd2c260654-pm-70-wildwechsel-zeitumstellung.pdf

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